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Deichverband Bislich-Landesgrenze

Die Menschen im Fluss

Seit über 1000 Jahren leben Menschen vom, am und genau genommen sogar im Rhein. Denn lange bevor der Mensch den Strom in ein festes Bett zwang, war dieser in unseren Breiten vielmehr ein weit verzweigtes Flussdelta , das sich über hunderte von Kilometern in unzählige Wasserläufe – die Rheinarme – erstreckte. Schon damals machten Mensch und Tier fast alljährlich die Erfahrung, dass der Rhein nicht nur den notwendigen Lebensunterhalt, sondern auch Unglück und Leid mit sich brachte, denn so fruchtbar das Land und so ergiebig der Fluss auch sein mochten, ein Hochwasser holte jeden ein. Es kostete immer Geld, oft einen großen Teil der Ernte oder des Viehbestandes und manchmal sogar das Leben.

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Damit ist es zum Glück bereits seit Jahrhunderten vorbei. Heute leben wir weitgehend sicher im „Auenland“, denn der Niederrhein und manche Teile des Münsterlandes sind nichts anderes, geschützt durch ein zig Kilometer langes, gut unterhaltenes Deichsystem, das unseren Fluss daran hindern soll, über die Ufer zu treten und Millionenschäden zu verursachen. Dieser Schutz ist das Verdienst unserer Vorfahren, die bereits vor 600 Jahren den Grundstein für das Deichwesen am Niederrhein legten. Damals wie heute waren all jene, die von diesem Schutz profitierten, zwangsläufig eine Zweckgemeinschaft mit gleichgerichteten Interessenlagen. Das Deichwesen ist damit die älteste und immer noch wichtigste lebens- und lebensgrundlagenerhaltende Maßnahme am Rhein, die Menschen je geschaffen haben.

Jeder Lebensraum hat seine Vor- und Nachteile. Genauso wie der Sauerländer vom Tourismus, den Wäldern und der guten Luft profitiert, so nutzt der Niederrheiner die Vorteile des Wasserreichtums, der Landwirtschaft und der positiven infrastrukturellen Bedingungen. Und genauso, wie der Sauerländer einen erhöhten Aufwand für die Wasserbeschaffung und Abwasserbeseitigung aufbringen muss, so trägt der Niederrheiner gemeinschaftlich die Kosten für den Schutz vor Hochwasser.
Schutz und Sicherheit gibt es eben nicht zum Nulltarif. Doch wer zahlt wie viel? Oder vielmehr: Wer zahlt überhaupt? Während es früher so gut wie unmöglich war, festzustellen, ob der deichnahe Anwohner mehr Nutzen aus dem Deichsystem zog als der Landwirt in Isselburg, gibt uns die moderne Technik heute zum Glück genauen Aufschluss darüber, wohin und wie weit das Wasser im Falle eine Dammbruchs läuft, wo genau das Entwässerungssystem greift und mithin wer vom Deichsystem und seinen Komponenten profitiert. Doch gleichgültig, wer welchen Beitrag leisten muss, eins ist sicher:
Wenn die Wanne voll läuft, trifft es jeden, der sich darin befindet. So wie vor über 600 Jahren.

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